MultiCultural Project for Kids e.V. "Versuch was Neues" "Make a Change"
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Erlebnisberichte

Erlebnissbericht JVA Siegburg

Jerry Elliott fragte mich, ob ich zum Boxtraining in die JVA Siegburg mit den dortigen Jugendlichen und deren Betreuern mitkommen möchte. Ich fand es interessant dorthin zu gehen und mit den Jugendlichen ein 2- stündiges Training zu absolvieren. Also trafen wir uns am 19. März 2009 in Jerrys Box- und Gymnastiksporthalle.

 Wir waren, zusammen mit dem Kameramann, zu sechst und fuhren nach Siegburg in die Justizvollzugsanstalt. Wir hatten ein paar Hanteln und Seile mit eingepackt. Wir alle waren etwas aufgeregt, denn, wie würde es dort sein mit den "harten Jungs" zu trainieren? Wie wären die dortigen Mitarbeiter? Und welche Sicherheitsvorkehrungen würden auf uns zukommen? Diese und ähnliche Fragen waren da, aber wir Boxer taten so, als ob uns das gar nicht berühren würde. Fast hatte ich das Gefühl wir führen zu einem Picknick.

Dort angekommen parkten wir unsere Autos am Parkplatz vor der JVA und warteten noch eine Weile, bis eine zuständige Person, die Jerry kannte, kam und uns abholte. In der Zwischenzeit kam noch ein Ehepaar mit seinem Baby, sie waren Musiker, hatten ihre Trommeln dabei. Auch ein weiterer Freund von Elliott war noch bei uns, also waren wir dann zusammen 11 Erwachsene und ein Baby.

Zwischenzeitlich füllte jeder ein Blatt Papier aus mit Namen, welches dann beim Anstaltsmitarbeiter abgegeben wurde. Irgendwie erfuhren wir voneinander, dass wir unsere Handys im Auto lassen sollten oder am Eingang zusammen mit dem Ausweis abgeben sollten. Ansonsten gab es keine Vorkehrungen. Ich dachte mir noch, wir würden vielleicht jeder einzeln untersucht werden.

Es ging sehr schnell: der Mitarbeiter der JVA war weder verwundert über uns, noch über das Baby. Wir wurden zum Eingangstor gebracht, der Beamte öffnete das große Tor, und nach einem Wink der Mitarbeiter gingen wir hinein. Einer von uns mit dem Auto, denn wir hatten ja unsere Geräte mit dabei.

Wir wurden freundlich aufgenommen, ein kurzes, einfaches Kennenlernen, Hände schütteln. Wir sahen uns natürlich um, wie so eine Anstalt wohl von innen aussieht. Wir kamen durch ein paar Tore durch und waren an einem großen Sportplatz, wo die Insassen in Gruppen verteilt Sport trieben. Die einen Basketball, die anderen Fussball...die Jugendlichen bemerkten uns am Rande. Schauten uns mal neugierig an, mal beachteten sie uns gar nicht. Wir schauten ihnen einfach zu, um sie ein wenig kennenzulernen.

Nun kamen wir in die überdachte Sporthalle und es war so, als würden wir in eine ganz normale Sporthalle reinkommen. Wir zogen uns um und unterhielten uns mit den verantwortlichen Personen, bereiteten die Seile und Hanteln vor. Die Musikanlage war schon da, es war einfach gut! Der Kameramann bereitete sein Equipment vor, alle rechtlichen Bedenken wurden bedenkenlos geklärt und soweit geregelt, dass Aufnahmen gemacht werden konnten. In dieser Zeit kamen noch mehr Leute hinein; von der Presse, Journalisten, Fotografen, die stellvertretende Anstaltsleiterin und viele Mitarbeiter.

Irgendwann wurde gesagt, ja, jetzt kommen die, auf die wir uns vorbereitet haben, die Jugendlichen. Sie kamen und die Halle wurde voll und voller, über 40 Personen waren wir. Nach kurzem Händeschütteln hier und da, fing Elliott an das Boxprogramm durchzuführen.

Die Jugendlichen sahen aus, als würden sie einfach mal reinschauen wollen, was für eine Party angesagt ist. Jerry teilte die Gruppe in zwei kleine Gruppen auf und machte mit einer Gruppe Gymnastik, mit der anderen Gruppe sind wir Seil gesprungen. Es ging sehr schnell zu und jeder machte mit. Hier und da waren einige Jungs etwas skeptisch, was hier los wäre. Aber durch unseren Ansporn gingen sie dann begeistert an die Sache ran,... dies reizte auch die letzten Skeptiker dazu mitzumachen, und auch mehr zu geben und nicht alles als eine Pflicht zu sehen.

Danach gab es kleinere Gruppen, wo sie bei drei von uns mit Pratzen gearbeitet haben. Sie mussten der Reihe nach bei jedem Pratzen schnelle Schläge durchführen. Nach drei Pratzendurchgängen gingen sie über zum Boxsack, auch da wurden wieder schnelle Schläge geübt... es ging alles so schnell, fast ohne Pause. Wir ermutigten sie, wir spornten sie an alles zu geben was sie drauf haben. Auch die Mitarbeiter der Anstalt machten mit, und mit was für einer Begeisterung...

Die Jugendlichen waren nach und nach so davon mitgerissen worden, es gab keinen mehr, der nicht mitmachen wollte. Es war sehr rasant, sehr schnell und sehr effektiv. Wir sahen, wie die Sporthalle sich mehr und mehr füllte, alle Mitarbeiter, die irgendwie mitbekommen hatte, dass da mehr passierte, als nur eine Sportaktivität, waren zugegen. - Es war auch eine sehr intime Arbeit, denn die Skepsis, die bei dem einen oder anderen Insassen gewesen war, entwich, und sie machten alle mit, ohne Ausnahme.

Sie sahen, wir sind ehrlich, mit dem was wir machen, wir wollen sie trainieren, sie begeistern mitzumachen und nichts anderes. Und während wir dieses Boxtraining mit den Jugendlichen und Mitarbeitern durchführten, hatte das in traditionellen Kleidern erschienene Musikerehepaar angefangen, Musik zu machen. Sie trommelten und sangen dazu. Es war, wie wenn Voodoo gemacht wird bei einem afrikanischen Fest, um böse Geister zu vertreiben, und um gute Geister zu bitten, uns allen im Raum Anwesenden zu helfen, Segen zu spenden. Der Raum füllte sich mit Gesang und Trommeln, unsere anspornenden Zurufe an die Trainierenden, die um uns stehenden Mitarbeiter der JVA unterhielten sich untereinander...es war ein Wirrwarr und doch schien alles eine Einheit zu sein.

Gegen Ende, etwa nach 2 Stunden, gab es Gymnastik, Stretching. Anschließend dachte jeder, es ist vorbei. Nein, da war noch eine kleine Präsentation von Jerry. Er gab eine sehr schöne, gelungene Rede: er erzählte von sich und gab sehr viel Mut und Hoffnung, um die Situation zu meistern, anders mit sich umzugehen, sich zu lieben, dafür zu kämpfen, Gutes zu tun. Eine Musik wurde aufgelegt, bei der Jerry selber gesungen hatte, eine Aufnahme von ihm. Sowohl die Ansprache als auch die Musik und der Text der Musik brachte eine neue Welle von wirklichem Interesse. Es wurde ein Blatt verteilt mit dem Liedtext, den Jerry gesungen hatte. Alle klatschten mit bei dieser Musik, alle saßen am Boden, jetzt standen sie auf, klatschten mit der Musik. Wir denken, sie hatten sich nicht vorgestellt, so mitgerissen zu werden.

Es gab Applaus ohne Ende, Fotos wurden gemacht... Die Jugendlichen sprachen uns an, ob wir wiederkommen würden, ob das weiter gemacht wird. Jetzt sagten sie auch etwas über sich, erzählten, wie sie ihre Leben ändern wollen... ein Stück Hoffnung... ein Stück aus sich herausgehen... Danach verabschiedeten wir uns alle mit Händedruck...

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