MultiCultural Project for Kids e.V. "Versuch was Neues" "Make a Change"
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Über mich - Jerry Elliott

Jerry Elliotts Geschichte als Ermutigung für andere Jerry Elliotts Geschichte als Ermutigung für andere

habe, vielmehr möchte ich, dass Ihr beim Lesen einen gewissen Eindruck davon bekommt, wer Jerry Elliott als Mensch eigentlich ist.

 

Hierbei möchte ich nicht, dass mich die Menschen bemitleiden, sondern meine Geschichte als Denkanstoß begreifen und sich durch sie vielleicht ermutigt fühlen.

 

Zunächst möchte ich betonen, dass ich nicht ein typischer Mensch mit einer glücklichen Familiengeschichte bin. Denn das, woran ich mich hinsichtlich meiner Kindheit am besten erinnern kann, ist an das Gefühl von Traurigkeit und Schmerz, Enttäuschung und Zurückweisung. Diese Zeit hat viele Narben auf meinem Körper hinterlassen, aber das Schmerzhafteste, das mir geblieben ist, ist das große Loch in meinem Herzen, das weder sichtbar noch erkennbar ist. Daher möchte ich so vielen Kindern wie irgend möglich helfen, damit sie nicht das durchmachen müssen, was ich in meiner eigenen Kindheit erlebt habe.

 

Ich kann wieder mit meiner Vergangenheit leben. Es ist sicherlich schwer, eine Lebensgeschichte auf wenigen Seiten aufzuschreiben. Ich habe viele verschiedene Orte auf der Welt gesehen und durchlebte bereits viele schöne und glückliche, aber auch schwere Zeiten. Ich kann vor meiner Lebensgeschichte nicht davonlaufen; aber was ich machen kann, ist zu versuchen andere vor solchen Erfahrungen zu bewahren.

 

Geboren wurde ich am 20.06.1976 in Nigeria. Ich wuchs unter schwierigen Verhältnissen auf. Mein Vater hatte vier Frauen und so viele Kinder, dass ich mich gar nicht mehr an die genaue Zahl erinnern kann.

 

Es wurde mir bereits frühzeitig klar, dass mein Vater mich nicht sehr lieben kann, denn er gab mir lange Zeit gar keinen, und dann einen Namen, wegen dem ich in der Schule gehänselt und geärgert wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt begann ich zu lernen, wie man sich selbst behaupten muss. Auch ansonsten sorgte er nicht gut für unsere Familie, denn er übernahm zum Beispiel nicht die Kosten für eine Schulausbildung und meine Mutter musste uns allein durchbringen.

 

Dabei sah mein normaler Tagesablauf so aus, dass ich nach der Schule auf der Farm meines Vaters arbeitete und spät abends todmüde ins Bett fiel. Deswegen blieb nie genug Zeit für mich, den Lernstoff zu bewältigen. Als Ersatz für die fehlende Aufmerksamkeit, die mir auch meine Mutter nicht geben konnte, da sie mit 10 Kindern mehr als überfordert war, suchte ich mir schnell das Boxen und Singen im Kirchenchor.

 

Aber als ich langsam erwachsen wurde, realisierte ich endgültig, dass in Nigeria keine Zukunft auf mich wartete und ich wagte den Versuch zu flüchten.

 

Mein Versuch, der Vergangenheit davon zulaufen, hat mich in viele Länder geführt. Ich habe in kalten, windigen Nächten auf den Straßen von Istanbul geschlafen, wurde später in den Bergen Griechenlands auf der Insel Patmos von der Polizei geschnappt und nach Kalimos ins Gefängnis geschickt.

Jerry Elliott gewann drei Titel von WBC und von IBF International, darunter auch einen Weltmeister-Titel. Jerry Elliott gewann drei Titel von WBC und von IBF International, darunter auch einen Weltmeister-Titel.

Bei meiner Lebensgeschichte geht es nicht darum, einfach nur zu erzählen was ich bereits erlebt

Von der griechischen Gesellschaft zurückgewiesen und im Wissen, dass dort für mich weder Hoffnung noch Zukunft bestand, beschloss ich, in ein anderes Land zu gehen. So landete ich in Holland, wo ich in den Strassen Amsterdams lebte und im Bahnhof von Rotterdam schlief und später auch niederländischer Meister im Mittelgewicht wurde.Mein Weg führte mich danach nach Deutschland, nach Köln, wo ich auf einem Schiff an der Deutzer Brücke lebte.

 

Später wurde ich in eine gottverlassene Militärbaracke in Düren und dort weiter nach Frechen geschickt, wo ich mit Obdachlosen und Alkoholikern auf engstem Raum schlafen und zusammenleben musste. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir zum ersten mal klar, das es mich mit Freude erfüllte, dort in der Unterkunft den Heimatlosen und denen, die die Hoffnung bereits verloren hatten, etwas Unterstützung geben zu können. Dort wurde die Idee geboren, in naher Zukunft mit schwachen Menschen, insbesondere mit Kindern, zu arbeiten.

 

Im Jahre 1997 bot sich mir die Gelegenheit, quasi als „Ersatz“ bei einem Boxkampf in der Sartoryhalle in Köln für das Team Sauerlandpromotion zu kämpfen. Dies war wirklich ein Zufall, da ich den Anruf von dem Trainer des Sauerlandteams (Ulli Wegner) erst einen Tag vor dem Boxabend erhielt.

 

Eigentlich hätte mich meine Vernunft von diesem Kampf abhalten sollen, denn erst eine Woche vorher hatte ich eine Operation an meinem Knie, die eigentlich noch nicht ausgeheilt war. Vor dieser Zeit hatte ich keinen Trainer, sondern versuchte nach der Arbeit für mich alleine zu trainieren und mich so fit zuhalten.

 

Aber entgegen aller gut gemeinten Ratschläge von Freunden und Bekannten sagte mir mein Gefühl, dass ich mich dieser Herausforderung stellen musste und kämpfen würde. Obwohl ich Angst vor dem Kampf hatte und davor, wie er ausgehen würde, hatte ich andererseits nichts zu verlieren.

Jerry Elliott im Ring Jerry Elliott im Ring

Und der Mut hatte sich gelohnt!!!!

 

Ich wurde als Außenseiter gehandelt, da mein Gegner 15 Kilo schwerer war als ich und darüber hinaus sehr viel mehr Kampferfahrung hatte. Trotzdem konnte ich ihn in der vierten Runde durch K.O besiegen.

 

Dieser Sieg beeindruckte das Sauerland-Team. Ich bekam noch mal eine Chance um mich zu beweisen und kämpfte kurz danach noch einmal, diesmal gegen einen deutschen Boxer, Andy Liebling. Bei diesem Kampf war ich nun besser vorbereitet. Dies zeigte sich im Kampf, denn ich besiegte meinen Gegner bereits in der ersten Runde.

 

Nun hatte ich wirklich jeden überzeugt und bekam im Jahre 1998 vom Sauerland-Team meinen ersten Profivertrag. Während meiner Zeit bei Sauerland wurde ich österreichischer Meister, gewann den WBC-International-Titel sowie den IBF-International-Titel.

 

Nach zahlreichen Profikämpfen stand der Weltmeistertitelkampf unmittelbar bevor, ich musste mich jedoch noch bei einem Kampf vorher qualifizieren. Bei einer ärztlichen Untersuchung vor diesem Kampf stellte der Arzt einen Herzfehler bei mir fest, der mich eigentlich für den Kampf untauglich machte. Aber ich wollte trotzdem kämpfen und mein Ziel, Weltmeister zu werden, nicht aufgeben.

 

Am 06.09.2003 kämpfte ich dann gegen Evans Ashira um den WBA-International-Titel. Durch das Wissen, dass mein Leben in Gefahr ist, solange ich im Ring stehe, konnte ich mich nicht von der Angst befreien und kämpfte deswegen sehr unkonzentriert und defensiv, so dass der Ringrichter den Kampf in der neunten Runde abbrechen musste und ich verlor.

 

Die Phase nach der Niederlage war sehr schwer für mich. Ich sah kaum eine Perspektive mehr in meinem Leben ohne Boxen. Denn ohne das Boxen wäre es sehr schwer für mich gewesen in Deutschland zu bleiben, da ich keine Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis hatte. In dieser Zeit war ich sehr niedergeschlagen und auch enttäuscht, weil so wenige im Sauerland-Team an mich geglaubt haben und bereit waren für mich und meine Karriere zu kämpfen. Ich fühlte mich im Stich gelassen, da sich niemand dafür interessierte wie es mit mir gesundheitlich weitergeht.

 

Dies machte mir einmal mehr deutlich, dass man im Leben immer für sich selbst kämpfen muss und sich nicht auf andere verlassen kann. Ich entschied mich für eine Therapie gegen mein Herzleiden und trainierte weiter, um im April 2004 den Weltmeisterkampf im Supermittelgewicht gegen Brian Magee in Irland anzutreten.

 

Ich verlor diesen Kampf nach Punkten. Der Kampf war jedoch mehr als eine Niederlage für mich. Er stellte vielmehr einen Wendepunkt in meinem Leben dar. Ich fühlte mich von den Menschen im Stich gelassen, denen ich so vertraut hatte und entschied mich deswegen, mir für mein Leben neue Ziele zu stecken und suchte nach neuen Impulsen, die mich in eine gewisse Richtung treiben würden. Durch eine Begegnung mit einem kleinen Jungen wurde mir bewusst, dass ich sozial schwachen Kindern die Gelegenheit geben will, an meiner Erfahrung teil zu haben.

 

2004 begann ich in Köln-Nippes damit, Jugendliche zu trainieren und gründete 2006 meinen eigenen Verein MCP e.V. (Multicultural Project) am Barbarossaplatz in Köln.

 

MCP hat zum Ziel, Jugendlichen aus sozial schwachen oder komplizierten privaten Verhältnissen trotz ihrer Lebenslage die Möglichkeit zu geben, ihre zeit sinnvoll mit Sport zu verbringen.

 

Für mich persönlich steht der Sport dabei aber nicht alleine im Vordergrund. Denn ich möchte den Kindern nicht nur ein Trainer sein, sondern vielmehr ein Freund, an den sie sich bei Problemen oder Ängsten wenden können. Ich hatte in meinem Leben nicht immer das Glück, eine solche Bezugsperson zu haben, deswegen weiß ich, wie schwer es manchmal sein kann, immer auf sich allein gestellt zu sein und alle Probleme selbst bewältigen zu müssen. Darüber hinaus möchte ich den Kindern und Jugendlichen Alternativen aufzeigen, wie sie ihre Zeit verbringen können. Denn für viele gibt es leider manchmal nur eine Alternative, und die ist es, Drogen zu nehmen oder kriminell und gewalttätig zu sein.

 

Aber auch wenn ein paar Kinder irgendwann nicht mehr trainieren kommen, freut es mich trotzdem, dass ich sagen kann, dass ich zu jedem Einzelnen noch guten Kontakt habe und sie mich öfter besuchen kommen und mich weiterhin an ihrem Leben teilhaben lassen. Das gibt mir ein sehr gutes Gefühl, denn so bekomme ich die Bestätigung, dass das, was ich mache, das Richtige ist und in gewisser Weise trägt es dazu bei, dass ich auch meine eigene Vergangenheit und Kindheit verarbeiten kann.

 

Aber nicht nur die Arbeit mit den Kindern ist für mich eine Möglichkeit, meine Erfahrungen und Gefühle wie Schmerz, Glück, Freude und Traurigkeit zu verarbeiten, sondern auch das Schreiben von Musiktexten und Gedichten. Indem ich meine Gedanken und Gefühle zu Papier bringe und sie mit den Kindern teile, gelingt es mir, meine Kindheit und die schlechten Erfahrungen, die ich in meinem Leben bereits erlebt habe, mit Distanz zu sehen.

Mehr Informationen über Jerry Elliott finden Sie hier

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